Wahlen in DeutschlandRatgeber
Wahlbeteiligung in Deutschland
Bei der Bundestagswahl am 23.02.2025 lag die Wahlbeteiligung bei 82,5 Prozent, so hoch wie seit 1987 nicht mehr. Den Höchstwert erreichte die Bundestagswahl 1972 mit 91,1 Prozent, den niedrigsten Wert die Wahl 2009 mit 70,8 Prozent. Bei der Europawahl 2024 gaben 64,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

An der Bundestagswahl am 23.02.2025 haben 82,5 Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen. Das waren 6,2 Prozentpunkte mehr als 2021, und so hoch war die Beteiligung seit der Bundestagswahl 1987 nicht mehr [1]. Von 60.510.631 Wahlberechtigten gaben 49.928.653 ihre Stimme ab [2]. Nach eigener Rechnung haben damit rund 10,6 Millionen Wahlberechtigte nicht gewählt. Teilt man die Zahl der Wählenden durch die Zahl der Wahlberechtigten, ergibt sich der amtliche Wert von 82,5 Prozent.
Was die Wahlbeteiligung misst
Die Wahlbeteiligung gibt an, welcher Anteil der Wahlberechtigten bei einer Wahl von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht hat. Ungültige Stimmzettel werden mitgerechnet [3]. Wer also absichtlich ungültig wählt, zählt als Wähler. 2025 waren 0,8 Prozent der Erststimmen und 0,6 Prozent der Zweitstimmen ungültig [4]. Eine Mindestwahlbeteiligung, ohne die eine Wahl ungültig wäre, gibt es bei Wahlen in Deutschland nicht [3].
Eine Wahlpflicht besteht in Deutschland ebenfalls nicht. Die Bundeswahlleiterin nennt Belgien, Griechenland, Luxemburg und Zypern als Beispiele für Länder, in denen das anders ist und eine Geldstrafe drohen kann. Nach deutscher Auffassung würde eine Wahlpflicht der Wahlfreiheit zuwiderlaufen [5]. Die Wahlfreiheit gehört zu den fünf Wahlgrundsätzen in Artikel 38 des Grundgesetzes [6].
Wer überhaupt mitgezählt wird
Die Wahlbeteiligung bezieht sich nur auf die Wahlberechtigten. Bei der Bundestagswahl sind das Deutsche ab 18 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in Deutschland wohnen oder als Deutsche im Ausland die gesetzlichen Bedingungen erfüllen [13]. 2025 lebten in Deutschland durchschnittlich 83.514.868 Menschen, wahlberechtigt waren 60.510.631 [2]. Die Zahl der Wahlberechtigten ist in den vergangenen Jahren gesunken: 2009 waren es 62.168.489, 2021 noch 61.172.771 [2]. Wer wählen darf, erklärt die Seite Wer wählen darf: Wahlalter und Wahlrecht.
Bundestagswahlen seit 1949
Die Bundeswahlleiterin veröffentlicht die Beteiligung aller Bundestagswahlen [3]. Die höchste Beteiligung gab es 1972 mit 91,1 Prozent, die niedrigste 2009 mit 70,8 Prozent [3]. Bis 1969 waren nur Menschen ab 21 Jahren wahlberechtigt, seit 1972 alle ab 18 [2].

| Wahljahr | Wahlbeteiligung | Wahljahr | Wahlbeteiligung |
|---|---|---|---|
| 1949 | 78,5 % | 1987 | 84,3 % |
| 1953 | 86,0 % | 1990 | 77,8 % |
| 1957 | 87,8 % | 1994 | 79,0 % |
| 1961 | 87,7 % | 1998 | 82,2 % |
| 1965 | 86,8 % | 2002 | 79,1 % |
| 1969 | 86,7 % | 2005 | 77,7 % |
| 1972 | 91,1 % | 2009 | 70,8 % |
| 1976 | 90,7 % | 2013 | 71,5 % |
| 1980 | 88,6 % | 2017 | 76,2 % |
| 1983 | 89,1 % | 2021 | 76,4 % |
| 2025 | 82,5 % |
In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren lag die Beteiligung durchgehend bei fast 89 Prozent und darüber. Von 1990 bis 2005 bewegte sie sich zwischen 77,7 und 82,2 Prozent, 2009 und 2013 fiel sie unter 72 Prozent [3]. Seit 2017 steigt sie wieder, 2025 lag sie 1,8 Prozentpunkte unter dem Wert von 1987 [3]. Diese Zusammenfassung und die Differenz beruhen auf eigener Auswertung der Tabelle. Wie eine Bundestagswahl organisiert wird, beschreibt die Seite So läuft eine Bundestagswahl ab.
Europawahlen: deutlich niedriger
An Europawahlen beteiligen sich in Deutschland weniger Menschen als an Bundestagswahlen [3]. Bei der ersten Direktwahl 1979 lag die Beteiligung bei 65,7 Prozent. Danach sank sie bis auf 43,0 Prozent im Jahr 2004 und 43,3 Prozent 2009. 2019 stieg sie auf 61,4 Prozent, 2024 auf 64,7 Prozent [3]. Das war nach Angaben der Bundeswahlleiterin ein Plus von 3,4 Prozentpunkten [7]. Bei der Europawahl 2024 waren 61.963.020 Menschen in Deutschland wahlberechtigt, 40.114.939 von ihnen wählten [7]. Mehr zur Wahl des Europäischen Parlaments steht auf der Seite Die Europawahl.
Unterschiede zwischen den Ländern
Bei der Bundestagswahl 2025 lag die Beteiligung in allen Ländern über 77 Prozent. Am höchsten war sie in Bayern mit 84,3 Prozent, am niedrigsten in Sachsen-Anhalt mit 77,7 Prozent und Bremen mit 77,8 Prozent [2]:
| Land | Wahlbeteiligung 2025 | Land | Wahlbeteiligung 2025 |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 83,4 % | Niedersachsen | 83,4 % |
| Bayern | 84,3 % | Nordrhein-Westfalen | 82,2 % |
| Berlin | 80,3 % | Rheinland-Pfalz | 83,0 % |
| Brandenburg | 81,6 % | Saarland | 82,4 % |
| Bremen | 77,8 % | Sachsen | 81,1 % |
| Hamburg | 80,9 % | Sachsen-Anhalt | 77,7 % |
| Hessen | 83,1 % | Schleswig-Holstein | 83,5 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 79,5 % | Thüringen | 80,7 % |
Gegenüber 2021 ist sie nach eigener Durchsicht der Länderergebnisse in allen 16 Ländern gestiegen, am wenigsten in Hamburg mit 3,0 Prozentpunkten [14]. Am stärksten stieg sie in Berlin, um 10,8 Prozentpunkte, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 9,8 Prozentpunkten [8, 9]. Die Werte für 2021 schließen nach den Tabellen der Bundeswahlleiterin die Wiederholungswahl in Teilen Berlins vom 11.02.2024 ein [2]. Wie sich die Beteiligung bei Landtagswahlen in einem Land entwickelt hat, zeigt politische-news.de für Landtagswahlen seit 1990 in Sachsen-Anhalt.
Wer wählt und wer nicht
Genauer zeigt das die repräsentative Wahlstatistik. Sie beruht auf der tatsächlichen Stimmabgabe in ausgewählten Wahlbezirken und nicht auf nachträglichen Befragungen. Für 2025 wurden 1.790 Urnen- und 899 Briefwahlbezirke ausgewertet, mit rund 1,9 Millionen Wahlberechtigten und rund 1,6 Millionen Wählerinnen und Wählern. Rechtsgrundlage ist das Wahlstatistikgesetz [1]. Bei der Wiederholung der Bundestagswahl 2021 in Teilen Berlins am 11.02.2024 gab es keine solche Statistik, Vergleiche mit 2021 beziehen sich deshalb auf die Hauptwahl vom 26.09.2021 [1].

- Am niedrigsten war die Beteiligung 2025 bei den 21- bis 24-Jährigen mit 78,3 Prozent, am höchsten bei den 50- bis 69-Jährigen mit 85,5 Prozent [1].
- In den Altersgruppen bis 44 Jahre stieg die Beteiligung gegenüber 2021 um 7,1 bis 8,3 Prozentpunkte. Trotzdem blieb sie bei den bis 34-Jährigen unter dem Durchschnitt [1].
- Bei den Menschen ab 70 Jahren lag sie bei 79,3 Prozent. Die Bundeswahlleiterin sieht hier einen Trend seit 2017, die Beteiligung dieser Gruppe sinkt weiter unter den Durchschnitt [1].
- Mit Ausnahme der Gruppe ab 70 Jahren wählten Frauen häufiger als gleichaltrige Männer. Ab 70 lag die Beteiligung der Männer bei 82,6 Prozent, die der Frauen bei 76,8 Prozent [1].
Unter allen Wahlberechtigten machten 2025 die 30- bis 59-Jährigen 44,4 Prozent aus, die ab 60-Jährigen 42,6 Prozent. 2017 lagen die Anteile noch bei 48,9 und 36,3 Prozent. Zusammen mit ihrer Wahlbeteiligung hat die ältere Generation damit nach Angaben der Bundeswahlleiterin mehr Einfluss auf das Ergebnis gewonnen [1].
Soziale Unterschiede
Neben dem Alter spielt die soziale Lage eine Rolle. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung mit dem Politikwissenschaftler Armin Schäfer und infratest dimap untersuchte, wo die rund 17 Millionen Nichtwähler der Bundestagswahl 2013 wohnten. Sie kam zu dem Ergebnis: Je prekärer die soziale Situation in einem Stadtviertel, desto niedriger die Wahlbeteiligung. In Köln lag sie 2013 im Stadtteil Chorweiler bei 42,5 Prozent, in Hahnwald bei 88,7 Prozent [10]. Zwischen den bundesweit repräsentativen Stimmbezirken mit der höchsten und der niedrigsten Beteiligung lagen 1998 laut der Studie 19,1 Prozentpunkte, 2013 waren es 29,5 Prozentpunkte [10].
Gründe für das Nichtwählen
Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt in ihrem Glossar vielfältige Ursachen: körperliche Beschwerden, mangelndes politisches Interesse und eine vorrangige Freizeitorientierung, aber auch die Abwendung von der Politik und Protest gegen die etablierte Politik [11]. Regionale Studien zeigen danach, dass Nichtwähler im Schnitt jünger sind als Wähler, häufiger ein geringeres Einkommen und eine geringere formale Bildung haben. Unter Dauernichtwählern sind Arbeiter überrepräsentiert [11]. In Ostdeutschland fiel die Wahlbeteiligung in den ersten 25 Jahren nach der Wiedervereinigung durchgehend niedriger aus. Seither hat Protestwahl als Motiv deutlich zugenommen und dort frühere Nichtwähler mobilisiert [11].
Bund, Länder und Gemeinden im Vergleich
Bei Bundestagswahlen wählen mehr Menschen als bei Landtags- oder Kommunalwahlen. Das zeigt eine Auswertung des Politikwissenschaftlers Armin Schäfer aus dem Jahr 2013 über alle Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen seit 1946. Danach nahmen an Kommunalwahlen zwischen 1950 und 1980 mehr als 70 Prozent der Wahlberechtigten teil, 2013 wählte auf kommunaler Ebene nur noch jeder Zweite. Die durchschnittliche Beteiligung bei Landtagswahlen lag damals bei 61 Prozent [12]. Schäfer beschreibt das deutsche Wahlsystem zugleich als im internationalen Vergleich beteiligungsfreundlich: Die Wahlberechtigten werden automatisch registriert, Briefwahl ist unkompliziert möglich und gewählt wird sonntags [12]. Als möglichen Hemmschuh nennt er die Fünf-Prozent-Hürde: Bei der Bundestagswahl 2013 blieben mehr als 15 Prozent der abgegebenen Stimmen ohne Folgen für die Zusammensetzung des Bundestages, was Anhänger kleiner Parteien vom Wählen abhalten könnte [12].
Briefwahl und Beteiligung
Mehr als jede dritte Stimme wird inzwischen per Briefwahl abgegeben. 2025 lag der Anteil der Briefwähler bei 37,0 Prozent, 2021 unter Pandemiebedingungen bei 47,3 Prozent. Bayern hatte 2025 mit 52,2 Prozent den höchsten Anteil, Thüringen mit 25,6 Prozent den geringsten [4]. Einen Wahlschein mit Briefwahlunterlagen beantragten 32,3 Prozent aller Wahlberechtigten. Am häufigsten taten das die ab 70-Jährigen mit 36,2 Prozent, am seltensten die 18- bis 20-Jährigen mit 23,0 Prozent [1]. Wie der Antrag funktioniert, erklärt die Seite Briefwahl beantragen und richtig ausfüllen. Wer am Wahltag selbst mithelfen will, findet Hinweise unter Wahlhelfer werden.

- Behörde Bundestagswahl 2025: Ergebnisse der repräsentativen Wahlstatistik (Pressemitteilung Nr. 30/25). Die Bundeswahlleiterin. Stand 23.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Ergebnisse früherer Bundestagswahlen. Die Bundeswahlleiterin. Stand Juni 2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Wahlbeteiligung (Wahl-Lexikon). Die Bundeswahlleiterin. Stand Stand 25.03.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Bundestagswahl 2025: Endgültiges Ergebnis (Pressemitteilung Nr. 29/25). Die Bundeswahlleiterin. Stand 14.03.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Wahlpflicht (Wahl-Lexikon). Die Bundeswahlleiterin. Stand Stand 13.02.2023. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (Gesamtausgabe). Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 22.03.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Ergebnisse Deutschland (Europawahl 2024). Die Bundeswahlleiterin. Stand endgültiges Ergebnis. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Ergebnisse Berlin (Bundestagswahl 2025). Die Bundeswahlleiterin. Stand endgültiges Ergebnis. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Ergebnisse Sachsen-Anhalt (Bundestagswahl 2025). Die Bundeswahlleiterin. Stand endgültiges Ergebnis. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Bundestagswahl 2013: Wahlergebnis ist sozial nicht repräsentativ. Bertelsmann Stiftung. Stand 12.12.2013. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Nichtwähler (Glossar der Transformation, Lange Wege der Deutschen Einheit). Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 2021. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Wahlbeteiligung und Nichtwähler (Aus Politik und Zeitgeschichte). Armin Schäfer, Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 19.11.2013. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Bundeswahlgesetz (BWahlG). Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand zuletzt geändert durch Art. 8 G v. 03.07.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Ergebnisse Hamburg (Bundestagswahl 2025). Die Bundeswahlleiterin. Stand endgültiges Ergebnis. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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