Grundlagen der DemokratieRatgeber
Das Grundgesetz einfach erklärt
Das Grundgesetz ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Der Parlamentarische Rat beschloss es am 8. Mai 1949, verkündet wurde es am 23. Mai 1949. Es beginnt mit den Grundrechten in Artikel 1 bis 19 und regelt danach, wie Bund, Länder und Verfassungsorgane arbeiten.

Das Grundgesetz ist die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Es legt fest, welche Rechte du gegenüber dem Staat hast, wer Gesetze beschließt, wer regiert und wer die Regierung kontrolliert. Jedes andere Gesetz in Deutschland muss mit ihm vereinbar sein. Wie Änderungen am Text zustande kommen, erklärt die Seite Wie das Grundgesetz geändert wird.
Was das Grundgesetz regelt
Der Text beginnt mit einer Präambel und den Grundrechten. Danach folgen die Regeln für den Staatsaufbau: das Verhältnis von Bund und Ländern, die Verfassungsorgane, die Gesetzgebung, die Verwaltung, die Gerichte und die Finanzen [1]. Die Grundrechte binden nach Artikel 1 Absatz 3 Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung "als unmittelbar geltendes Recht" [2]. Behörden und Gerichte müssen die Grundrechte deshalb in jedem einzelnen Fall beachten.

Wer sich durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt sieht, kann nach Artikel 19 Absatz 4 vor Gericht ziehen [6]. Bei Grundrechten kommt die Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht hinzu. Erheben kann sie nach Artikel 94 "jedermann", der behauptet, durch die öffentliche Gewalt in einem seiner Grundrechte verletzt zu sein [11]. Was das Gericht sonst entscheidet, steht auf der Seite Das Bundesverfassungsgericht.
Wie das Grundgesetz entstanden ist
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übten in den vier Besatzungszonen die Militärgouverneure Frankreichs, Großbritanniens, der Sowjetunion und der USA die höchste Gewalt aus [8]. Am 1. Juli 1948 beauftragten die drei Westmächte die Ministerpräsidenten der elf westdeutschen Länder, eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen [7, 8]. Die Ministerpräsidenten wollten die Teilung Deutschlands nicht vertiefen. Auf ihrer Konferenz vom 8. bis 10. Juli 1948 in Koblenz einigten sie sich deshalb auf einen "Parlamentarischen Rat", der ein "Grundgesetz" ausarbeiten sollte [8].

Vorher erarbeitete ein Ausschuss mit 26 Mitgliedern vom 10. bis 23. August 1948 auf der Insel Herrenchiemsee einen Entwurf, den sogenannten Verfassungskonvent [8]. Am 1. September 1948 trat der Parlamentarische Rat in Bonn zum ersten Mal zusammen [7, 8]. Seine 65 Mitglieder hatten die elf Landtage gewählt: je 27 von CDU/CSU und SPD, fünf von der FDP und je zwei von Deutscher Partei, Zentrum und KPD. Fünf Delegierte aus Berlin nahmen mit beratender Stimme teil [8]. Präsident des Rates war Konrad Adenauer [7].
Unter den 65 Mitgliedern waren vier Frauen: Helene Weber, Friederike Nadig, Elisabeth Selbert und Helene Wessel [8]. Laut Bundestag setzten Elisabeth Selbert und Friederike Nadig gegen anfänglich heftigen Widerstand durch, dass der Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" als zweiter Absatz in Artikel 3 aufgenommen wurde [7].
Vom Beschluss bis zum Inkrafttreten
| Datum | Schritt |
|---|---|
| 08.05.1949 | Der Parlamentarische Rat beschließt das Grundgesetz mit 53 Ja- und 12 Nein-Stimmen [7]. |
| 16.05. bis 22.05.1949 | Die Volksvertretungen von mehr als zwei Dritteln der beteiligten Länder nehmen es an [1]. |
| 23.05.1949 | Der Parlamentarische Rat stellt die Annahme fest, fertigt das Grundgesetz aus und verkündet es [1]. |
| Ablauf des 23.05.1949 | Das Grundgesetz tritt in Kraft [10]. |
Nur der Bayerische Landtag stimmte nicht zu. Bayern erkannte das Grundgesetz aber als rechtsverbindlich an [7]. Für die Annahme reichte nach Artikel 144 die Zustimmung in zwei Dritteln der Länder [12]. Ob das Inkrafttreten "nach Ablauf des 23. Mai" um 24 Uhr am selben Tag oder um 0 Uhr am Folgetag lag, ist nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung umstritten, praktisch aber ohne Folgen [9]. Mehr zur Vorgeschichte und zu den Lehren aus Weimar steht auf politische-news.de unter Das Grundgesetz von 1949.
Warum es Grundgesetz heißt
Der Name war Absicht. Die Ministerpräsidenten wollten mit "Parlamentarischer Rat" statt "verfassunggebende Versammlung" und "Grundgesetz" statt "Verfassung" zeigen, dass der westdeutsche Staat vorläufig sein sollte, und das Ziel einer baldigen Wiedervereinigung offenhalten [8]. Deshalb gab es 1949 auch keinen Volksentscheid über das Grundgesetz, die Landtage stimmten ab [9].
Der letzte Artikel nimmt diese Idee bis heute auf. Artikel 146 sagt, dass das Grundgesetz seine Gültigkeit an dem Tag verliert, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, "die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist" [5]. Nach der Friedlichen Revolution in der DDR wurde 1989 genau das gefordert. Gewählt wurde der zügigere Weg: Die ostdeutschen Länder traten nach dem damaligen Artikel 23 dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei [8]. Seit dem 3. Oktober 1990 ist das Grundgesetz die Verfassung des vereinten Deutschlands [7]. Die Präambel nennt heute alle 16 Länder und stellt fest, dass damit das Grundgesetz "für das gesamte Deutsche Volk" gilt [1].
Der Aufbau in 14 Abschnitten
Nach der Präambel ist das Grundgesetz in Abschnitte mit römischen Ziffern gegliedert. Drei davon tragen einen Buchstaben, weil sie später eingefügt wurden [1].
| Abschnitt | Inhalt | Artikel |
|---|---|---|
| I | Die Grundrechte | 1 bis 19 |
| II | Der Bund und die Länder | 20 bis 37 |
| III | Der Bundestag | 38 bis 49 |
| IV und IVa | Der Bundesrat, Gemeinsamer Ausschuss | 50 bis 53a |
| V | Der Bundespräsident | 54 bis 61 |
| VI | Die Bundesregierung | 62 bis 69 |
| VII | Die Gesetzgebung des Bundes | 70 bis 82 |
| VIII und VIIIa | Ausführung der Bundesgesetze, Bundesverwaltung, Gemeinschaftsaufgaben | 83 bis 91e |
| IX | Die Rechtsprechung | 92 bis 104 |
| X und Xa | Das Finanzwesen, Verteidigungsfall | 104a bis 115l |
| XI | Übergangs- und Schlussbestimmungen | 116 bis 146 |
Wie viele Artikel das sind, hängt von der Zählweise ab. Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt, das Grundgesetz habe wie 1949 insgesamt 146 Artikel, durch Artikel mit Buchstaben wie 104a bis 104c käme man bei durchgehender Zählung auf über 200 [9]. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages nennen 2024 die Zahl von 203 Artikeln statt ursprünglich 146 [8]. Auch der Umfang ist gewachsen: Die Fassung von 1949 hatte laut bpb rund 11.000 Wörter, die heutige mehr als 20.000 [9].
Die Staatsprinzipien in Artikel 20
Artikel 20 fasst in vier Absätzen zusammen, wie der Staat gebaut ist. Absatz 1 lautet: "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat." [3] Daraus und aus den folgenden Absätzen ergeben sich die Grundsätze, die oft als Staatsprinzipien bezeichnet werden.

- Demokratie: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus." Das Volk übt sie in Wahlen und Abstimmungen aus und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung [3]. Wie diese drei Bereiche getrennt sind, erklärt Gewaltenteilung einfach erklärt.
- Rechtsstaat: Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung gebunden, Verwaltung und Gerichte an Gesetz und Recht [3]. Mehr dazu auf der Seite Der Rechtsstaat.
- Bundesstaat: Staatliche Befugnisse und Aufgaben sind nach Artikel 30 Sache der Länder, soweit das Grundgesetz nichts anderes regelt [3, 15].
- Sozialstaat: Der Staat ist nach Absatz 1 ein "sozialer" Bundesstaat [3].
- Republik: Die bpb zählt die Republik zu den Verfassungsgrundsätzen des Artikels 20. Der Staatsname "Bundesrepublik Deutschland" in Absatz 1 nimmt den Begriff auf [3, 9].
Absatz 4 gibt allen Deutschen ein Recht zum Widerstand gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen. Die Bedingung steht gleich dabei: Es gilt nur, "wenn andere Abhilfe nicht möglich ist" [3].
Der geschützte Kern
Das Grundgesetz kann nur durch ein Gesetz geändert werden, das seinen Wortlaut ausdrücklich ändert oder ergänzt. Dafür braucht es zwei Drittel der Mitglieder des Bundestages und zwei Drittel der Stimmen des Bundesrates [4]. Einige Inhalte sind auch mit dieser Mehrheit nicht zu ändern. Nach Artikel 79 Absatz 3 ist eine Änderung unzulässig, die die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in Artikel 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt [4]. Diese Regel heißt Ewigkeitsklausel.
Bei den einzelnen Grundrechten gilt eine eigene Grenze. Wo ein Gesetz ein Grundrecht einschränken darf, muss es allgemein gelten und das betroffene Grundrecht mit Artikel nennen. In keinem Fall darf ein Grundrecht "in seinem Wesensgehalt angetastet werden" [6].
Geändert wurde das Grundgesetz trotzdem oft. Nach Angaben der bpb gab es bis Dezember 2022 insgesamt 67 Änderungsgesetze, und ungefähr jeder zweite Artikel ist schon einmal verändert worden [9]. Die Gesetzessammlung des Bundesjustizministeriums nennt als letzte Änderung ein Gesetz vom 22.03.2025 [1]. Welche Inhalte zu den Grundrechten gehören, steht auf der Seite Die Grundrechte im Überblick.
Wo du den Text nachlesen kannst
Den geltenden Wortlaut stellen das Bundesministerium der Justiz und das Bundesamt für Justiz kostenlos auf gesetze-im-internet.de bereit [13]. Das Inhaltsverzeichnis dort führt zu einer eigenen Seite für jeden Artikel, die Gesamtausgabe gibt es als HTML, PDF, XML und EPUB [14]. Oben auf der Gesamtausgabe steht, durch welches Gesetz der Text zuletzt geändert wurde [1]. Wie die Demokratie in Deutschland über die Jahrhunderte gewachsen ist, beschreibt die Seite Die Geschichte der Demokratie.
- Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (Gesamtausgabe mit Eingangsformel und Präambel). Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 22.03.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Art 1 GG. Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Art 20 GG. Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Art 79 GG. Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Art 146 GG. Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Art 19 GG. Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 23. Mai 1949: Parlamentarischer Rat verkündet das Grundgesetz. Deutscher Bundestag. Stand 26.04.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde 75 Jahre Grundgesetz (Aktueller Begriff Nr. 10/24). Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste. Stand 22.05.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Überraschende Fakten zum Grundgesetz. Bundeszentrale für politische Bildung. Stand 20.03.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Art 145 GG. Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Art 94 GG. Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Art 144 GG. Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Gesetzgebung. Deutscher Bundestag. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (nichtamtliches Inhaltsverzeichnis). Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gesetz Art 30 GG. Bundesministerium der Justiz, Bundesamt für Justiz. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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