Unabhängiges Informationsangebot. Dies ist keine offizielle Seite der Partei SSW und steht in keiner Verbindung zu ihr. Positionen geben wir ausschließlich nach den Programmen der Partei wieder; Quellen: siehe Quellenverzeichnis.
SSW – Südschleswigscher Wählerverband
Der SSW ist die kleinste Partei im Bundestag – und zugleich ein Sonderfall des deutschen Parteiensystems: Als Partei zweier nationaler Minderheiten ist er von der Fünf-Prozent-Hürde befreit. Dieses Profil folgt unserem einheitlichen, neutralen Muster.
Definition: Der SSW (Südschleswigscher Wählerverband, dänisch Sydslesvigsk Vælgerforening) ist die 1948 gegründete Partei der dänischen Minderheit und der nationalen Friesen in Schleswig-Holstein. Er tritt nur dort an, orientiert sich laut Programm an skandinavischer Politik und ist als Minderheitenpartei von der Fünf-Prozent-Hürde befreit.
Steckbrief
| Gründung | 1948 (als Interessenvertretung der dänischen und friesischen Minderheit) |
|---|---|
| Vorsitz | Christian Dirschauer (Landesvorsitzender, seit Oktober 2021) |
| Mitglieder | rund 3.150 (Parteiangaben) |
| Bundestag | 1 von 630 Sitzen (Stefan Seidler, fraktionslos; Wahlen 2021 und 2025) |
| Landtag Schleswig-Holstein | 4 Sitze (Wahl 2022: 5,7 % – bestes Landesergebnis der Parteigeschichte); seit 1958 ununterbrochen vertreten |
| Regierungsbeteiligung | aktuell keine; 2012–2017 „Küstenkoalition“ mit SPD und Grünen in Schleswig-Holstein |
| Jugendorganisation | SSW Ungdom |
| Selbstbeschreibung | laut Programm: Partei der dänischen Minderheit und der nationalen Friesen, skandinavisch orientiert, in der Mitte des Parteienspektrums |
Geschichte
Der SSW wurde 1948 als politische Vertretung der dänischen Minderheit und der nationalen Friesen im Landesteil Schleswig gegründet. Schon 1949 errang er mit Hermann Clausen ein Bundestagsmandat, schied 1953 aber wieder aus. Im Zuge der Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 – die die Rechte der Minderheiten beiderseits der deutsch-dänischen Grenze sichern – wurde er von der Fünf-Prozent-Hürde auf Landesebene befreit (für den Bund galt eine entsprechende Regel bereits seit 1953); seit 1958 ist er ununterbrochen im Kieler Landtag vertreten. Von 2012 bis 2017 regierte er erstmals mit („Küstenkoalition“ mit SPD und Grünen, Ministerin Anke Spoorendonk). 2021 trat der SSW nach 60 Jahren wieder zur Bundestagswahl an und gewann ein Mandat für Stefan Seidler – 2025 verteidigte er es mit seinem besten Bundesergebnis seit 1949.
Positionen laut Programm
Grundlage ist das SSW-Bundestagswahlprogramm 2025 (ergänzend: Landesprogrammatik). Alle Angaben geben die Programmaussagen wieder, nicht die Bewertung dieses Portals.
Wirtschaft & Steuern
Laut Wahlprogramm 2025 will die Partei die Schuldenbremse reformieren, um Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz zu ermöglichen; die Stromsteuer soll sinken und Netzentgelte, die den windstromstarken Norden besonders belasten, sollen fair verteilt werden. Grundversorgung wie Strom, Wasser und Krankenhäuser soll laut Programm nicht ohne staatliche Kontrolle privatisiert werden.
Soziales & Rente
Das Programm fordert einen Mindestlohn von 15 Euro sowie eine Reform des Renten- und Sozialversicherungssystems nach dem Vorbild des nordischen Wohlfahrtsstaats; für Kinder soll es kostenlose Sport- und Kulturangebote geben.
Migration & Integration
Laut Programm will die Partei dem Arbeitskräftemangel durch Zuwanderung begegnen und setzt auf unbürokratische Zugänge von Geflüchteten zu Arbeitsmarkt und Bildung sowie eine humane Asylpolitik.
Klima & Energie
Das Programm fordert ein Klimageld für alle Bürgerinnen und Bürger, staatliche Förderung erneuerbarer Energien und benennt den Küstenschutz in Schleswig-Holstein als Priorität; Landwirtschaft und Fischerei sollen an Klima-, Tierwohl- und Naturschutzzielen ausgerichtet werden.
Außen & Sicherheit
Als Minderheitenpartei betont das Programm die deutsch-dänische und die Ostsee-Kooperation sowie den Schutz von Minderheitenrechten als Element europäischer Friedensordnung; sicherheitspolitisch bewegt sich der SSW laut Programm im Rahmen von NATO- und EU-Mitgliedschaft Deutschlands.
Digitales & Bildung
Laut Programm sollen ländliche Räume digital besser angebunden und die Schulen der Minderheiten gleichgestellt gefördert werden; in der Küstenkoalition setzte der SSW die Gleichstellung der dänischen Minderheitenschulen im Schulgesetz durch – ein bis heute zentrales Anliegen.
Europa
Der SSW steht laut Programm für ein Europa der Regionen und Minderheiten: Stärkung des Minderheitenschutzes auf EU-Ebene (etwa in der Tradition der Minority-SafePack-Initiative), grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Subsidiarität.
Organisation & Struktur
Der SSW besteht aus einem Landesverband mit vier Kreisverbänden (Nordfriesland mit Helgoland, Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde mit Kiel, Stadtverband Flensburg) und rund 100 Ortsvereinen – er ist nur im Landesteil Schleswig und auf Helgoland präsent. Oberstes Organ ist der jährliche Landesparteitag in Husum; die Jugendorganisation ist der SSW Ungdom. Eng verbunden ist die Partei mit den Organisationen der dänischen Minderheit und der friesischen Volksgruppe (Friisk Foriining).
Wahlergebnisse
| Jahr | Zweitstimmen | Ergebnis |
|---|---|---|
| 2021 | 0,1 % bundesweit (55.578 Stimmen) | 1 Sitz (Stefan Seidler) – Rückkehr nach 60 Jahren |
| 2025 | 0,2 % bundesweit (76.126 Stimmen) | 1 Sitz (Stefan Seidler) – bestes Ergebnis seit 1949 |
Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2022 erreichte der SSW 5,7 Prozent – das beste Landesergebnis seit der Parteigründung – und stellt seither erstmals wieder eine Fraktion mit vier Abgeordneten (Quelle: Landeswahlleiterin Schleswig-Holstein).
Finanzierung
Der SSW finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und staatlicher Parteienfinanzierung; frühere regelmäßige Zuwendungen aus Dänemark wurden nach öffentlicher Diskussion eingestellt. Details stehen im gesetzlich vorgeschriebenen Rechenschaftsbericht (Bundestagsdrucksachen).
Aktuelle Rolle & behördliche Einordnung
Aktuelle Rolle: Der SSW ist mit Stefan Seidler (fraktionslos) im Bundestag und mit einer vierköpfigen Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag vertreten; auf kommunaler Ebene im Landesteil Schleswig erreicht er teils über 20 Prozent (Stand: Juli 2026).
Behördliche Einordnung: Keine Einstufung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (Stand: Juli 2026).
Häufige Fragen
Was ist der SSW?
Der Südschleswigsche Wählerverband ist die 1948 gegründete Partei der dänischen Minderheit und der nationalen Friesen in Schleswig-Holstein. Er orientiert sich laut Programm an skandinavischer Politik und tritt nur in Schleswig-Holstein an.
Warum gilt für den SSW die Fünf-Prozent-Hürde nicht?
Als Partei nationaler Minderheiten ist der SSW bei Bundestagswahlen (seit 1953) und Landtagswahlen in Schleswig-Holstein (seit 1955, im Zuge der Bonn-Kopenhagener Erklärungen) von der Sperrklausel befreit. Er muss aber genügend Stimmen für ein Mandat erreichen – bei Bundestagswahlen rund 40.000 Zweitstimmen.
Was will der SSW?
Laut Bundestagswahlprogramm 2025 unter anderem einen Mindestlohn von 15 Euro, eine Sozial- und Rentenpolitik nach nordischem Vorbild, ein Klimageld, faire Netzentgelte für den Norden und starke Minderheitenrechte. Details im Abschnitt Positionen.
Wer führt den SSW?
Christian Dirschauer, seit Oktober 2021 Landesvorsitzender; er führt zugleich die SSW-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag (Stand: Juli 2026).
Wie schnitt der SSW bei der Bundestagswahl 2025 ab?
Mit 76.126 Zweitstimmen (bundesweit 0,2 Prozent, in Schleswig-Holstein rund 4 Prozent) errang er erneut ein Mandat für Stefan Seidler – sein bestes Bundestagswahl-Ergebnis seit 1949.
Wie viele Mitglieder hat der SSW?
Rund 3.150 (Parteiangaben) – gemessen an den Mitgliedern die viertgrößte Partei in Schleswig-Holstein.
War der SSW schon einmal an einer Regierung beteiligt?
Ja: Von 2012 bis 2017 regierte er in der „Küstenkoalition“ mit SPD und Grünen in Schleswig-Holstein und stellte mit Anke Spoorendonk erstmals eine Landesministerin.
Wird der SSW vom Verfassungsschutz beobachtet?
Nein. Es liegt keine Einstufung des SSW durch das Bundesamt für Verfassungsschutz vor (Stand: Juli 2026).
Quellen
- SSW: Bundestagswahlprogramm 2025; Über den SSW, Geschichte (ssw.de, ssw-sh.de, abgerufen 07/2026)
- Bundeszentrale für politische Bildung: „Parteien in Deutschland – SSW“; „Wer steht zur Wahl? 2025 – SSW“ (bpb.de, abgerufen 07/2026)
- Die Bundeswahlleiterin: Ergebnisse der Bundestagswahlen 2021 und 2025 (bundeswahlleiterin.de, abgerufen 07/2026)
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Verfassungsschutzbericht (verfassungsschutz.de, abgerufen 07/2026)